Über mich
Manfred Egersdoerfer,
Bildhauer, seit 2021 in Barmstedt lebend
Die Geologie der Liebe hat mich von ganz Süd nach ganz Nord gespült, geschüttet, verfrachtet. Aber nicht verschleppt. Ich bin sehr ursprünglich und leidenschaftlich bayrisch. Auf keinen Fall aber klischeebayrisch, das finde ich nämlich unerträglich. Es ist subtiler und vielleicht nicht gleich zu merken.
Im Kern
Seit Kindertagen kann ich mich über Natur- und Menschengemachtes begeistern. Von der großen Landschaft, dem Raum, Oberflächen und Farben bis ins Kleine, zur Struktur einer Kellerassel, die sich zur Kugel formt. Ein Steinbruch, eine römische Brücke bis hin zum Fingerabdruck. Immer habe ich Zeug gefunden und geschleppt. Das Schöne daran, die Begeisterung schwindet nicht, im Gegenteil.

Garten & Kunst
Ich habe Gartenbau in Weihenstephan studiert. Da ist viel Pflanzenproduktion dabei, das hat mich schnell gelangweilt. Die Welt der Steine hat mich in den Garten- und Landschaftsbau gezogen. Dort habe ich mich autodidaktisch rasch zum Spezialisten in Natursteinverlegung entwickelt und mich selbständig gemacht. Meine Firma, die nach wie vor besteht, heißt garten & kunst. Ich habe Gärten geplant, angelegt und gepflegt, mit Pflanzen und Naturstein gearbeitet, mich kreativ ausgetobt und einige Paradiese geschaffen.st.


Warum & Kunst?
Seit Schulzeiten interessiere ich mich für Kunst, für Kunstgeschichte und Archäologie. Studiert habe ich das aber nicht, und an die Kunstakademie bin ich auch nicht gegangen – das ist bis heute ein kleiner Stachel in mir.
Weil ich aber immer schon gemalt, gezeichnet, geschnitzt und Objekte gemacht habe, war mein Plan: Nach der Anlage eines Gartens verkaufe ich eine meiner Skulpturen, oder eine aus einem Pool befreundeter Künstler.
Eine gute Idee, die aber nur sehr bedingt geklappt hat. Warum? Das Handwerk absorbiert einen. Die Aufträge werden größer, mehr Maschinen, mehr Mitarbeiter. Die ersten Betonsteinflächen, immer mehr an Zahl und Fläche – das wollte ich doch gar nicht. Keine Muße und Zeit mehr für Kunst.
Und jetzt?
Weil garten & kunst nach wie vor meine Welt ist, müsste es in meiner jetzigen Lebensphase eigentlich kunst & garten heißen.
Das Feuer brennt noch, es gibt frische Ideen. Wenn ich die alten Skizzenblöcke durchsehe, womit ich lange noch nicht fertig bin, ist mir das alles sehr vertraut und nah. Oft schmunzle oder lache ich über mich als früheren Menschen.
Das mag ich sehr, und viele Gedanken von damals spinne ich heute weiter.
Das Spannungsfeld von garten & kunst
Gärten muss man nach den Regeln der Baukunst bauen, nach DIN und vielen anderen Vorschriften. Sie müssen funktionieren, und im Idealfall entsteht etwas Ästhetisches, und der Kunde ist glücklich. Der Galabauer auch, wenn er Geld verdient und sich verwirklichen kann.
Jeder Handwerker kennt aber auch reklamierende, mäkelnde und nicht zahlende Kunden und Probleme mit Mitarbeitern, in welcher Form auch immer.
Das Schöne an der Kunst ist für mich: Es muss nicht funktionieren, es darf wackeln, sich auflösen, hässlich sein, verstören, und natürlich darf es auch schön und ästhetisch sein. Ich liebe das Verspielte, das Experiment, ja die Expedition in die Welt der Kunst. Theoretisch wie praktisch.
Input kommt nach wie vor durch Besuche von Ausstellungen und Gärten.

Künstlerischer Werdegang
Begleitend zum Bau von Gärten wollte ich den Faden zur Kunst nicht abreißen lassen und habe an vielen Kursen und Workshops teilgenommen.
Insbesondere durch die Teilnahme an den Sommerakademien in Soest (Wilfried Hagebölling) und Salzburg (Lauren Ewing und Alf Lechner) konnte ich mich weiterentwickeln.
Durch Lehrer, Mitschüler und Besucher der jeweiligen Abschlussausstellungen kam jeweils ein intensiver Prozess in Gang. Flow. Besonders intensiv war der Kurs bei Alf Lechner, dem ich auch danach freundschaftlich verbunden blieb.
Allerdings war es mir nicht möglich nach diesem intensiven Kurs weitere Kurse bei anderen Lehrern zu besuchen. Auch aus einem anderen Grund war das nicht möglich. Meine Frau erkrankte schwer und verstarb 2021. Wir haben zwei Kinder. In dieser Zeit entstand keine Kunst, ich wusste aber immer, dass sie da war.
Vita
| Seit 2021 | Freischaffender Bildhauer, Barmstedt (Schleswig-Holstein) | |
| 1989–2021 | Unternehmen „garten und kunst“ – kreative Gärten, Natursteinarbeiten, Staudengärten, Bauten aus lebenden Weidenruten (Bündelbauweise); Teilnahme Landesgartenschau Burghausen | |
| 2016 | Kragkuppelbau („Stone Bee Hive“), Gartenbauschule Langenlois/Wachau, bei Renate Löbekke | |
| 1993 | Sommerakademie Salzburg, bei Alf Lechner – Skulptur | |
| 1992 | Sommerakademie Soest, Steinbruch Anröchte, bei Wilfried Hagebölling – Skulptur | |
| 1990 | Sommerakademie Salzburg, bei Lauren Ewing (New York) – Skulptur | |
| 1989 | Abschluss Studium Gartenbau Trockenmauerbau-Kurs, Steinbruch Bärlocher (bei Zürich) | |
| 1986-1977 | Zwei Urlaubssemester, Vorarbeiter bei Creative Landscaping , Long Island. Anlage und Pflege von großen und anspruchsvollen Gärten. An den Wochenenden: Entdeckung der großartigen Museen und Galerien New Yorks. |
Vorbilder
Auguste Rodin, der Klassiker.
Constantin Brancusi, Endlossäule und Sockel.
Andy Goldsworthy, Land Art und Farben.
Richard Serra, das Schwere leicht gemacht im Raum.
Alberto Giacometti, die schlanke Figur.
Pablo Picasso, das Verspielte und der Witz.

Skulpturen wollen umrundet werden. Am besten in echt.
Kommen Sie im Atelier in Horst Hahnenkamp vorbei.